Trockenfutter oder Dosenfutter?
Was ist wirklich besser für Katzen?
Sparsamkeit und Bequemlichkeit haben Trockenfutter zum beliebtesten
Produkt zur Fütterung von Hauskatzen gemacht. Aber ist das, was gut für
uns ist, auch gut für unsere Katzen?
Die Nahrung eines Fleischfressers besteht hauptsächlich aus Eiweiß und
Fetten tierischer Herkunft. Ein Fleischfresser hat Zähne, die für das
Zerreißen von Fleisch optimiert sind, und einen kurzen, einfach
strukturierten Verdauungstrakt, der für die Verwertung und Aufnahme von
konzentrierter, hochverdaulicher Nahrung gemacht ist.
Trockenfutter enthält gewöhnlich einen hohen Anteil an Kohlenhydraten.
Die natürliche Nahrung der Katze enthält dagegen nur sehr wenig
Kohlenhydrate. Katzen nehmen kleine Mengen Kohlenhydraten aus den
Mägen und Därmen ihrer Beutetiere auf. Handelsübliche
Trockenfuttersorten enthalten aber bis zu 45-50% Kohlenhydrate. Da die
Katze hauptsächlich Fett und Protein verbrennt, wird der Hauptanteil des
Kohlenhydratüberschusses als Glykogen und Fett im Körper eingelagert.
Die erste Folge eines Zuviel an Kohlehydraten ist Fettleibigkeit. Die
Folgen des Übergewichts sind z.B. Herzprobleme aufgrund der
Mehrbelastung des Herzens. Knochen- und Gelenkprobleme werden verstärkt,
weil das Skelett mit mehr Gewicht belastet wird, was zu Arthritis und
frühem Gelenkverschleiß führt. Diabetes mellitus, eine Krankheit bei der
die Bauchspeicheldrüse nicht ausreichend Insulin zur Verarbeitung des
Blutzuckers produziert, ist eines der häufigsten Probleme bei
übergewichtigen Katzen. Ebenfalls leiden diese häufiger an bestimmten
Lebererkrankungen. Ironischerweise entsteht die tödlichste dieser
Krankheiten, die Fettleber (hepatische Lipidose) dann, wenn die Katze
aufhört zu fressen. Veränderungen in der Leber verursachen
Fettablagerungen, die schließlich zu Leberversagen führen können.
In der Leber der Katze werden die gluconeogenische Aminosäuren und das
Fett aus der Nahrung desaminiert und in Glukose zur Erhaltung des
Blutzuckerspiegels umgewandelt. Die Katze hat sich im Laufe ihrer
Evolution so entwickelt, dass sie normale Blutzuckerwerte und damit ihre
Gesundheit mit einer praktisch kohlenhydratfreien Ernährung erhalten
kann – eine Eigenschaft, die sie von ihren in der Wüste lebenden
Vorfahren geerbt hat. Diese Fähigkeit hängt mit einer veränderten Form
der Gluconeogenese zusammen. Bei den meisten Tierarten findet der
Hauptteil der Gluconeogenese zum Zwecke der Stabilisierung des
Blutzuckerspiegels während der postabsorbtiven Phase statt, wenn kein
freies Kohlenhydrat zur Verdauung mehr vorhanden ist. Karnivoren wie die
Katze ähneln hingegen in diesem Aspekt den Wiederkäuern, da sie sich
ständig im Zustand der Gluconeogenese befinden, also dauernd
gluconeogenische Aminosäuren zur Erhaltung des Blutzuckerspiegels
verarbeiten (bei anderen Tierarten wird dieser Zustand „an- und
abgeschaltet“).
Es gibt Unterschiede zwischen Katzen und Allesfressern im Bezug auf die
Relevanz diverser Wege der Gluconeogenese und Kohlenhydratverdauung. Im
Vergleich mit Allesfressern haben Katzen eine starke Aktivität des
Enzyms serine-pyruvate Aminotransferase und eine eher schwache Aktivität
bei seriner Dehydratase. Daraus folgt, dass die Katze die Aminosäure
Serin auf eine Weise in Glukose umwandeln kann, die weder pyruvate noch
serine Dehydratase benötigt.
Nachdem Glukose vom Körper aufgenommen wurde, muss sie zu
Glukose-6-Phosphat phosphoryliert werden, bevor sie verdaut werden kann.
Die Leber der meisten allesfressenden Tierarten, den Haushund
eingeschlossen, enthält 2 Enzyme, die diese Reaktion auslösen:
Glucokinase und Hexokinase. Hexokinase ist aktiv, wann immer geringe
Mengen an Glukose in der Leber ankommen. Glucokinase kommt ins Spiel,
wenn die Leber große Mengen an Glukose durch die Pfortader bekommt. Die
Leber der Katze verfügt über aktive Hexokinase, aber nicht über aktive
Glucokinase. Als Folge daraus kann die Katze die Glukoseverdauung in der
Leber nicht im gleichen Maße wie Tierarten mit beiden Enzymen als
Reaktion auf große Mengen verfügbarer Kohlehydrate ankurbeln. Daher wird
der größte Teil der Kohlenhydrate im Trockenfutter als Fett eingelagert.
Nicht alle Proteinquellen sind für Fleischfresser gleichwertig, und die
Menge an Protein in einem handelsüblichen Trockenfutter für Katzen sagt
oft nichts über die Qualität aus. Vor ihrer Domestizierung jagten Katzen
Beutetiere, und ihre Nahrung enthielt viel tierisches Protein, etwas
Fett und sehr wenig Kohlenhydrate. Diese Nahrung bot sowohl die richtige
Qualität als auch Quantität an Protein für das spezielle
Verdauungssystem des Fleischfressers. Im Gegensatz zum Allesfresser,
dessen Verdauungsapparat aus einem relative langen Dünndarm und relativ
großen Magen besteht, ist bei Fleischfressern der Dünndarm eher kurz und
der Magen eher klein. Daher muss die optimale Nahrung für den
Fleischfresser konzentriert und hochverdaulich sein, so dass nur wenig
übrig bleibt, denn der Körper ist darauf spezialisiert, hauptsächlich
Protein zu verarbeiten. Wenn ein Kohlenhydratüberschuss in der Nahrung
besteht, erreicht ein Großteil der aufgenommenen Nahrungsmenge nur
teilweise verdaut den Dickdarm, wo es dann zur Fäkalie geformt wird, was
die Verdauungs- und Ausscheidungsorgane überlädt.
Die Proteinverdaulichkeit bei Tierfutter liegt bei ca. 80% für
Trockenfutter, 85% für halbfeuchtes Futter und Dosenfutter mit hohem
Getreideanteil, und 90% für Dosennahrung mit Fleisch als
Hauptproteinquelle. Die Verdaulichkeit wird sowohl von der Quelle des
Proteins als auch dessen Verarbeitung beeinflusst. Das Protein im
Katzenfutter stammt aus tierischen und pflanzlichen Quellen. Tierisches
Eiweiß ist generell teurer und oft von besserer Qualität als
pflanzliches Eiweiß. Die Zusammensetzung von Dosenfutter erlaubt die
Verarbeitung von Protein und Fett aus hochwertigerer Quelle als bei
Trockenfutter.
Eine neue Studie [Morris, James G. and Quinton R. Rogers. 1994.
Assessment of the nutritional adequacy of pet foods through the life
cycle. Journal of Nutrition 124:252OS-2534S] vergleicht ein bekanntes
Dosenfutter mit dem marktführenden Trockenfutter, wobei beide mit
“ausgewogener Ernährung” werben. Beim Dosenfutter wurde eine
Verdaulichkeit von ca. 90% angegeben, beim Trockenfutter 80%. Der
biologische Wert (also der Nutzwert für das Tier) des enthaltenen
Proteins wurde für das Dosenfutter mit 70%, für das Trockenfutter mit
60% angegeben. Die effektive Verwertung (also die Menge des verbrauchten
Futters in Relation zur aufgenommenen Menge) kann durch Multiplikation
der Verdaulichkeit mit dem biologischen Wert errechnet werden. Das
Ergebnis: 68% für Dosenfutter, 48% für Trockenfutter. Das bedeutet, dass
eine Katze fast doppelt so viel Trockenfutter wie Dosenfutter aufnehmen
müsste, um die gleiche effektiv verwertbare Menge an Nährstoffen zu
erhalten. Die dabei entstehenden Abfallprodukte müssen aus dem Blut
gefiltert werden, was den Nieren zusätzliche Arbeit bereitet. Dies
könnte eine Erklärung für das häufige Auftreten von chronischer
Niereninsuffizienz bei Katzen mittleren Alters sein.
Die natürliche Nahrung der Katze, lebende Beute, enthält 65-75% Wasser.
Die Katze hat während ihrer Evolution in den trockenen Steppen Afrikas
ihren Wasserbedarf an ihre Umgebung angepasst und stillt ihn fast
ausschließlich aus dem Feuchtigkeitsgehalt der Beute. Katzen können für
längere Zeit ohne Wasser überleben, wenn ihre Nahrung 67-73% Wasser
enthält, aber sie dehydrieren, wenn der Wassergehalt unter 63% liegt.
Der Wassergehalt kommerzieller Katzenfuttersorten liegt zwischen 8% bei
Trockenfutter und bis zu 75% bei Dosenfutter. Daher ist der Bedarf an
Trinkwasser stark von der Art der Fütterung abhängig.
Bei Fütterung mit Dosenfutter und Zugang zu Trinkwasser nehmen Katzen
mehr als 90% ihrer gesamten Wasseraufnahme aus dem Futter auf. Bei
Fütterung mit Trockenfutter nehmen Katzen 96% ihres Wasserbedarfs durch
Trinken auf. Die Gesamtmenge an aufgenommenem Wasser verringert sich bei
einer ausschließlichen Fütterung mit Trockenfutter. Das Verhältnis
Wasser zu Trockenmasse bei Fütterung mit Trockenfutter liegt zwischen
2,0-2,8 : 1. Bei Fütterung mit Dosenfutter liegt es bei 3,0-5,7 : 1.
Demnach haben Katzen einen höheren Wasserumsatz bei Ernährung mit
Dosenfutter als mit Trockenfutter. [National Research Council (National
Academy of Science) Nutrient Requirements of Cats].
Der Feuchtigkeitsgehalt der Nahrung hängt mit der Tatsache zusammen,
dass mit Trockenfutter ernährte Katzen zwar mehr als 6 mal so viel
Wasser trinken als mit Dosenfutter ernährte Tiere, dieses Wasser aber
zum Großteil über den Kot wieder abgegeben wird und daher die Urinmenge
geringer und das spezifische Gewicht des Urins bei
Trockenfutter-Fütterung höher ist. Die Menge an im Urin gelösten
Stoffen, inklusive der potentiell steinbildenden Kristalloide, ist von
der Urinmenge abhängig. Mit Trockenfutter gefütterte Katzen trinken
mehr, aber nicht ausreichend um den geringeren Wassergehalt des
Trockenfutters zu kompensieren. In einer aktuellen Studie wurde bei
Katzen mit einem Wassergehalt von 10% im Futter, die freien Zugang zu
Trinkwasser hatten, eine durchschnittliche Urinmenge von 63 ml/Tag
gemessen. Diese Menge stieg auf 112 ml/Tag an, als man diesen Katzen
Dosenfutter mit 75% Feuchtigkeit zu fressen gab. Das spezifische Gewicht
des Urins war bei Fütterung mit Trockenfutter ebenfalls höher. Eine
verringerte Urinmenge kann ein wichtiger Risikofaktor für die Bildung
von Harnsteinen bei Katzen sein. Eine Ernährung, die zu einer
Verringerung des Flüssigkeitsumsatzes führt, kann die Urinmenge
reduzieren und die Konzentration des Urins erhöhen. Beide Faktoren
tragen zum Risiko der Harnsteinbildung bei.
Dosenfutter enthält so viel Wasser, dass Katzen, die damit ernährt
werden, nur selten trinken müssen. Der tägliche Wasserbedarf in ml wird
oft als gleich dem Energiebedarf in kcal bzw. 60 ml/kg geschätzt. Wenn
das Futter aufgenommen wurde, werden diesem Wert durch die Oxidation der
Nährstoffe ca. 10-13 g Wasser pro 100 kcal Energie hinzugefügt. Demnach
wird eine 4 kg schwere Katze, die Dosenfutter mit 240 kcal und 78%
Wasser frisst, 237 ml oder 98% ihres täglichen Wasserbedarfs mit dem
Futter aufnehmen. Daher muss diese Katze weniger als 30 ml Wasser
trinken. Eine Katze, die Trockenfutter mit dem selben Energiegehalt
frisst, muss hingegen mehr als 90 ml/Tag zusätzlich trinken. Das kann zu
Problemen führen, denn Katzen trinken von Natur aus nicht sehr viel. Die
Fütterung mit Dosenfutter mit 78% Wassergehalt garantiert praktisch
einen ausgeglichenen Wasserhaushalt.
Zusätzlich zur ausreichenden Versorgung mit Flüssigkeit hilft ein hoher
Wasserumsatz dabei, kristallogene Substanzen zu eliminieren bevor sie
auf eine Größe heranwachsen, die die Blasenfunktion negative
beeinflusst. Dies ist ein wichtiger Punkt vor allem für die Besitzer von
Katern. Katzen, die aufgrund einer verstopften Harnröhre für mehr als 24
Stunden nicht urinieren können, sterben oft an akutem Nierenversagen
und/oder an schweren Schäden der Blase. Noch zusätzlich zur Entfernung
von Kristallen hat eine erhöhte Wasseraufnahme den Vorteil, dass evtl.
vorhandene schädliche Substanzen im Urin verdünnt werden, und die Zeit,
die der Urin in der Blase verbleibt, verkürzt wird. Dies kann das Risiko
von Blaseninfekten verringern. Aus diesen Gründen ist Dosenfutter oft
die erste Empfehlung des Tierarztes, wenn es um die Bekämpfung von
Harnwegsinfekten bei Katzen geht.
Die Hauskatze ist ein Karnivore (Fleischfresser). Im Vergleich mit der
Ernährung von Allesfressern oder Pflanzenfressern, hat die Nahrung eines
Fleischfressers zur Folge, dass mit dem Urin mehr Säuren ausgeschieden
werden, und dieser daher einen natürlich niedrigen pH-Wert hat. Diese
Ansäuerung des Urins resultiert primär aus dem hohen Anteil an
schwefelhaltigen Aminosäuren im Fleisch. Die Oxidation dieser
Aminosäuren führt zur Ausscheidung von Sulfaten im Urin und einer
gleichzeitigen natürlichen Absenkung des pH-Wertes. Weiterhin enthält
Nahrung mit hohem Fleischanteil weniger Kaliumsalze als solche mit einem
hohen Anteil an Getreide. Ein hoher Getreideanteil (>35%), wie man ihn
häufig in kohlenhydratreichem Trockenfutter sieht, ist erwiesenermaßen
ein entscheidender Faktor bei der Entstehung von Struvitsteinen, da er
zu basischem Urin führt.
Die “Lösung” der Futtermittelindustrie für das Struvitstein-Dilemma war
dann die Einführung von urin-ansäuerndem, Magnesium-reduzierten
“Spezialfutter für Blasenprobleme”. Obwohl aber ein Urin-pH-Wert von 6.4
oder niedriger mithilft, die Entstehung von Struvitsteinen zu
verhindern, ist die Produktion von zu saurem Urin unter Umständen
gesundheitsschädlich für die Katze. Wenn ein Tier mehr Säuren aufnimmt
als es ausscheiden kann, kommt es zu einer Störung im
Säuren-Basen-Haushalt. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass bei
manchen Katzen eine Ernährung mit urin-ansäuernder Nahrung über mehrere
Monate hinweg eine solche Störung auslöst, sowie zu einer Absenkung des
Kaliumspiegels führt. Andere Studien weisen darauf hin, dass bei einigen
Katzen eine Langzeitfütterung mit urin-ansäuerndem Futter welches nur
geringe Mengen an Kalium enthält, zu einem Kaliummangel und
Nierenschäden führen. Z.B. erkrankten 3 von 9 Katzen, die mit einem
urin-ansäuernden Futter mit 40% Protein und nur geringem Kaliumgehalt
ernährt wurden, innerhalb von 2 Jahren an chronischem Nierenversagen. [J
Am Vet Med Assoc 1993 Mar 1;202(5):744-51]
Wenn man eine Katze mit Futter ernährt, welches auf natürliche Weise den
Urin leicht ansäuert (nämlich durch schwefelhaltige Aminosäuren,
Phospholipide und Phosphoproteine – also Fleisch und tierisches Fett,
die Nahrung eines Fleischfressers) ist das Risiko der Übersäuerung
geringer als bei Futterzusätzen, die den Urin ansäuern. Die basischen
Eigenschaften des kohlenhydratreichen Trockenfutters führen dazu, dass
der Urin 2 bis 3 mal so stark angesäuert werden muss wie bei
Dosenfutter, was das Risiko für Störungen im Säuren-Basen-Haushalt und
Nierenschäden entsprechend erhöht.
Eine weitere Folge von angesäuertem Urin kann die Bildung einer anderen
Art von Harnstein sein. Während Struvit im sauren Urin aufgelöst wird,
kann dieser saure Urin die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von
Kalziumoxalatsteinen erhöhen. Eine andauernde Fütterung mit stark
ansäuerndem Futter führt zu einer Absenkung des im Urin gelösten
Kalziums, woraufhin dieses Mineral plötzlich für die Bildung von
Harnsteinen zur Verfügung steht. Nahrung mit wenig Magnesium kann dieses
Problem noch verstärken, denn Magnesium im Urin behindert die Entstehung
von Kalziumoxalat. Kalziumoxalatsteine bei Katzen kommen in den letzten
Jahren immer häufiger vor, während die Anzahl der Erkrankungen an
Struvitsteinen rückläufig ist. Man vermutet, dass dieser Trend unter
anderem von der Verbreitung ansäuernden und magnesiumarmen Futters
beeinflusst wird.
Frühere Studien berichteten, dass mehr als 95% der Harnsteine bei Katzen
aus Struvit bestanden. Die Häufigkeit der Erkrankungen aufgrund dieses
Harnsteintyps hat sich allerdings in den letzten zehn Jahren signifikant
verändert, seit die ansäuernden, magnesiumarmen Futtersorten auf dem
Markt sind. Eine 1981 durchgeführte Studie besagt, dass 78% der im
Minnesota Urolith Center analysierten felinen Harnsteine aus Struvit
bestanden, und nur 1% aus Kalziumoxalat. Bis zur Mitte der 90er Jahre
war der Anteil an Struvitsteinen auf 43% gesunken, während der Anteil an
Kalziumoxalatsteinen auf 43% gestiegen war. Struvitkristalle und daraus
bestehende Harnsteine können durch Medikamente aufgelöst werden –
Kalziumoxalat dagegen nicht, diese Steine erfordern oft eine operative
Entfernung.
Eine Ansäuerung des Urins birgt auch die Gefahr der Toxizität.
DI-Methionin verursacht bei Katzen hemolytische Anämie,
Methemoglobinemie und Bildung von Heinz-Körpern (mikroskopisch sichtbare
Verklumpungen des roten Blutfarbstoffs in den roten Blutkörperchen).
DI-Methionin wird bei Trockenfutter häufig als Zusatz zur
Urin-Ansäuerung verwendet. Weitere Risiken der chronischen Übersäuerung
sind ein eventuell negativer Einfluss auf die Nierenfunktion und das
Knochenwachstum. Der Kaliumgehalt in der Nahrung ist hierbei auch ein
Faktor, denn eine chronische Übersäuerung des Stoffwechsels kann zu
Kaliummangel führen, was wiederum Nierenprobleme zur Folge haben kann.
Katzen, die mit einer ansäuernden, kaliumarmen Nahrung gefüttert werden,
können an einem durch Kaliummangel verursachten Nierensyndrom erkranken.
Futter mit geringem Kaliumgehalt und hohen Anteilen an ansäuernden
Stoffen (z.B. DI-Methionin) kann zu einer chronischen Übersäuerung des
Stoffwechsels führen und den Kaliumspiegel im Körper absenken. Zu wenig
Kalium kann zu Nierenproblemen bis hin zum chronischen Nierenversagen
führen, sowie zur einer krankhaft verstärkten Abgabe von Kalium über den
Urin, was das Problem dann noch verschlimmert.
Trockene Nahrung ist für Katzen allgemein nicht attraktiv, da es nicht
der natürlichen Futterkonsistenz entspricht. Um dem entgegenzuwirken
werden Zusätze wie tierische Fette, Proteinhydrolysate, Fleischextrakte,
Säuren und die Aminosäuren Alanin, Histidin, Prolin und Lysin verwendet.
Diese Liste von Einweißbestandteilen und Säuren macht deutlich, warum
tierische Aufschlussprodukte (Digest) als Zutat in fast allen
Trockenfuttersorten vorkommen. Aufschlussprodukte sind biologisch
stabile Stoffe, die durch Aufschlüsselung tierischen Gewebes entstehen.
Sie werden mit Hilfe von Enzymen durch Hydrolyse aus tierischem Gewebe
und Nebenprodukten hergestellt. Es entsteht eine dickflüssige Lösung aus
Aminosäuren, Peptiden und Fettsäuren. Diese Aufschlussprodukte enthalten
auch größere Mengen an Phosphorsäure, die hinzugegeben wird um den
Aufschlüsselungsprozess zu stoppen und das Endprodukt haltbar zu machen.
Das Digest wird auf die Trockenfutterbrocken aufgesprüht oder in den
Teig gemischt und kann 4-10% der Gesamtmasse ausmachen. Durch die Zugabe
von Digest wird das Futter im Vergleich zu Futter ohne diese Zugabe 2
bis 3 mal schmackhafter für die Katze. Ist die Phosphorsäure einmal im
Katzenfutter, erhöht sie die Säureaufnahme durch die Katze. Wegen dieses
Herstellungsverfahrens sollten Katzen, die mit handelsüblichem
Fertigfutter gefüttert werden, eigentlich keine weiteren
urin-ansäuernden Stoffe bekommen. Aber fast alle Trockenfuttersorten
enthalten solche Stoffe, meist DI-Methionin. Eine andauernde
Überversorgung mit Säuren führt zu einem Ungleichgewicht im
Säuren-Basen-Haushalt des Körpers, Demineralisierung der Knochen,
Bildung von Kalziumoxalatkristallen und möglicherweise zu Nierenschäden.
Diese Überversorgung könnte also am steigenden Vorkommen von
Kalziumoxalatsteinen und chronischem Nierenversagen bei Katzen mittleren
Alters beteiligt sein.
Der einzige echte Vorteil von Trockenfutter für die Katze ist eine
leichte Minderung der Zahnsteinbildung. Allerdings sind die Zähne der
Katze typisch für Fleischfresser, also mehr zum Festhalten, Durchstechen
und Zerreißen/Zerschneiden der Nahrung als zum Kauen gemacht.
Trockenfutter wird zwar zerbissen, aber nicht wirklich gekaut. Das
Kiefergelenk der Katze erlaubt es dem Unterkiefer nur, sich nach oben
und unten zu bewegen, nicht aber eine laterale Kaubewegung.
Der Katze fehlen oben die ersten Prämolaren und im Unterkiefer die
ersten und zweiten Prämolaren. Sie hat lediglich einen Backenzahn oben
und unten auf jeder Seite. Beim Schließen des Mauls gleitet der obere
Reißzahn am unteren Reißzahn entlang, was einen scherenartigen
Schneidevorgang ergibt, aber keine Kaubewegung. Vor diesem Hintergrund
erscheinen die Vorzüge von Trockenfutter im Bezug auf die Zahnhygiene
als überbewertet.
Es besteht schon lange der Glauben, dass eine Fütterung mit
Trockenfutterbrocken für die Zähne von Hunden und Katzen besser ist als
Dosenfutter. Man ging davon aus, dass Trockenfutter weniger Rückstände
im Maul zurücklässt, die Bakterien einen Nährboden bieten könnten, und
daher die Plaquebildung verringert würde. Trotzdem haben viele mit
Trockenfutter ernährte Tiere starke Plaquebildung, Zahnstein und
Erkrankungen des Zahnfleisches. Das liegt daran, dass die meisten
Trockenfuttersorten zwar hart, aber auch spröde sind, so dass die
Brocken beim Daraufbeißen ohne großen Widerstand zerbrechen, und somit
kein besonderer Abriebeffekt am Zahn entsteht. Ein geringerer Anteil an
Trockenfutter (nicht mehr als 25%) oder spezielle Leckerlis, die
Zahnstein reduzieren sollen (nicht mehr als 10% des
Gesamtkalorienbedarfs der Katze) sind wahrscheinlich völlig ausreichend
um diesen kleinen positiven Effekt zu erzielen, ohne die Risiken, die
eine komplette Ernährung mit Trockenfutter in sich birgt.
Quelle:
http://www.maxshouse.com/feline_nutrition.htm
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